Offener Brief an den Pfarrgemeinderat

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Dieser offene Brief wurde am Montag, 12.11.2012 an alle Pfarrgemeinderatsmitglieder von Maria-Hilf verteilt.


Freiburg, 12.11.2012

Liebe Pfarrgemeinderatsmitglieder,

wir schreiben an Euch als unsere gewählten Vertreter der Pfarrgemeinde. Wir sprechen für die Pfarr­gemeindemitglieder, denen unser geliebtes Maria-Hilf Gelände und unsere Gemeinde am Herzen liegen. Wir bitten Euch im weiteren Verfahren des Verkaufs des Grundstücks folgende Punkte bei Eurer Entscheidung zu berücksichtigen:

(I)                 Neues Gemeinde Zentrum
Das Herzstück unserer Gemeinde ist, neben der Kirche und dem Pfarrhaus, unser Maria-Hilf Saal mit seinen Gebäuden und der Maria-Hilf Wiese. Dort treffen wir uns, dort feiern wir unsere Feste und genießen die vielfältigen Veranstaltungen. Unsere Gemeinde trifft sich und lebt zusammen auf dem Maria-Hilf Grundstück.

Dies alles soll verkauft werden. Man verspricht euch ein neues Gemeindezentrum im Wäldle. Aber ist an dieser Stelle überhaupt ein solches Gebäude planbar und genehmigungsfähig? Ist es nicht viel mehr so, dass dort ein Gemeindezentrum, das über die Schützenallee angefah­ren werden müsste und wegen der dortigen Fuß und Fahrradwege sowie der exponierten Einfahrt in den Schützenalleetunnel, baurechtlich nicht genehmigungsfähig sein wird!

Hat man Euch die baurechtliche Umsetzung des neuen Gemeindezentrums verbindlich durch eine Bauvoranfrage bei der Stadt Freiburg bestätigt? Könnten die ganzen Pläne am Ende nicht auch so ausgehen, dass man Euch sagen wird: „Leider haben wir alles versucht, aber die Stadt genehmigt an der vorgesehenen Stelle das Gemeinde Zentrum nicht.“

Wenn das Maria-Hilf Gelände verkauft ist, haben wir für unser Gemeindeleben gar nichts mehr: der Maria-Hilf Saal ist abgerissen, die Maria-Hilf Wiese ist bebaut, die Nebenge­bäude zerstört. Ob es unter diesen Voraussetzungen mit unserer Gemeinde überhaupt wei­tergehen kann, bezweifeln wir. Wir werden dann endgültig als geplante Seelsorgeeinheit unsere Selbstständigkeit verlieren. – Wer kassiert dann die Millionen für das Grundstück Maria-Hilf?

(II)               Finanzierung des neuen Kindergartens
Mit dem Grundstücksverkauf sollen angeblich die benötigten Finanzmittel für den Bau des neuen Kindergartens gedeckt werden. Was wäre, wenn die Finanzierung des schon seit Jahren betriebenen und beschlossenen Kindergartenprojekts längst gesichert wäre? Lasst Euch doch mal beim Erzbischöflichen Ordinariat die Akte zur Finanzplanung des Kindergartens im Einzelnen vorlegen. Vor allem zu welchen Zeitpunkten mit welchen Mitteln gerechnet wurde. Es wäre nicht überraschend, wenn man dabei feststellen würde, dass zur Finanzierung des neuen Kindergar­tens gar keine Mittel aus dem Verkauf des Grundstücks benötigt werden. Davon geht auch Schwatlo in seinem Konzept aus. Lest mal genauer  nach.

(III)             Altes Kindergartengebäude
Der alte Kindergarten wird nicht mehr benötigt. Was geschieht mit dem Gebäude und mit dem für Investoren interessanten Baugrund? Durch den Verkauf könnte die Sanierung der Gebäude finanziert werden. Auch dann müsste das Maria-Hilf Gelände nicht verkauft werden.  Dazu schweigt der Münchner Professor in seinem „Entwicklungskonzept“.

(IV)             Immobilienbesitz der Pfarrei
Unsere Pfarrei ist Eigentümer mehrerer Wohnhäuser in der Wiehre, wie zum Beispiel dem Anwesen Bürgerwehrstr. 7 und Nr. 32. Über wie viele Immobilien verfügt die Pfarrgemeinde tatsächlich? Diese Immobilien könnten verkauft werden. Hat man euch jemals Wertgutach­ten zu diesen Häusern vorgelegt und die Verkaufsmöglichkeiten geprüft? Wäre es nicht sinn­voller diese Gebäude zuerst zu veräußern, um damit das Herzstück und die Existenzgrundlage unserer Gemeinde zu erhalten und zu schützen?  Habt Ihr überhaupt ein neutrales (!) Wert­gut­achten  gesehen?

(V)               Pfarrhaus
Wir verfügen über ein komfortables Pfarrhaus mit mehreren hundert Quadratmeter Wohn­fläche, für das weder aktuell noch zukünftig ein Nutzungskonzept vorliegt. Oder hat man Euch erklärt, was mit diesem Gebäude geplant ist? Es drängt sich einem doch der Eindruck auf, hier soll der nächste Gebäudeverfall vorbereitet werden, um dann auch dieses Gebäude noch zu verkaufen. Ein wirklich ernsthaftes und seriöses Entwicklungs­konzept kann doch eines der wichtigsten Gebäude auf dem Gelände nicht außen vorlassen!

Liebe Pfarrgemeinderäte, Ihr als unsere gewählten Interessensvertreter, habt die Entscheidungsfrei­heit „Nein“ zu sagen, zu dem „Grundstücksentwicklungskonzept“ des Professors aus München. Verhindert den Verkauf des Pfarrgeländes und rettet unsere Pfarrgemeinde.

Lasst Euch nicht drängen, überlegt in Ruhe, hört auf Euer Herz und nicht auf den Professor aus München. Es besteht kein Verkaufszwang. Die „Schwatlos“ der Immobilienwelt kommen und gehen, wir bleiben mit den Folgen hier.

Wir appellieren an Euch im Namen der Gemeindemitglieder, die sich in unserem Verein für den Erhalt aller Gebäude auf dem Maria-Hilf Gelände engagieren.

Mit freundlichem Gruß,

Roman Schwartz                                                       Petra Morio
(1.Vorsitzender)                                                        2. Vorsitzende
Bürger helfen Maria-Hilf e.V.

2 Gedanken zu „Offener Brief an den Pfarrgemeinderat

  1. Lieber Vereinsvorstand,
    vielen Dank für diesen sehr gut formulierten Brief, der viele Gedanken wiedergibt, die auch mich beschäftigt haben, seit die Entscheidung öffentlich geworden ist. Ich hoffe, dass dieser Beitrag die Pfarrgemeinderäte, die sich ehrenamtlich engagieren, davon abhält, sich von den Profis aus der Immobilienbranche über den Tisch ziehen zu lassen mit den von Euch dargestellten Folgen einschließlich einer Verschlechterung der Lebensqualität im Stadtteil. Ich hoffe und wünsche der Gemeinde, dass sie mit den vorgeschlagenen Alternativen einen Weg findet, ihre Probleme zu lösen, ohne ihr Herzstück zu verkaufen und damit aufzugeben.
    Herzliche Grüße,
    Gerd Neumann

  2. Hallo zusammen

    der Brief ist fantastisch – vielen Dank! Super aufden Punkt gebracht, und es gibt auch nichts mehr hinzuzufügen. Große Klasse, vielen Dank, bis bald.

    Herzliche Grüße
    Norbert und Chris Kanis

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